Dominion – Die Alchemisten
Kartenspiel-Erweiterung
Zauberhafte Erweiterung
Mischen, mischen und nochmals mischen. Was für die meisten Spieler und bei vielen Spielen das meist unbequeme und langweilige Nebenprodukt ist, generiert beim schon jetzt als Klassiker zu bezeichnenden Dominion zum unverzichtbaren und häufig mit Freude erwarteten Zentralmoment. Denn wer seine Karten durchmischt, kann die neu gekauften Aktions- und Geldkarten ins eigene Set integrieren und somit nicht nur den Spielspaß, sondern auch den Erfolg aufs Neue maßgeblich erhöhen. So funktioniert das nun seit gut zwei Jahren; es gibt kaum ein Spiel auf dem deutschen Markt seit den Siedlern von Catan und Carcassonne, das es sich erlauben kann Erweiterungen in diesem Ausmaße auf den Markt zu werfen und damit auch noch Erfolg zu haben. Bei Dominion ist das nachvollziehbar und von Seiten der Fans mehr als wünschenswert.
Die offiziell zweite (weil Die Intrige eigentlich keine war), unter Fans aber nur als dritte Erweiterung (weil Die Intrige letztlich doch eine war) bekannte Version der Alchemisten steht hier auf dem Rezensionstisch. Da sie seit einigen Monaten bereits auf dem Markt ist, gibt es schon einige Kritiker, die sich darüber ausgelassen haben – zumeist wurde nur auf den Aspekt des echten Euro-Geldes hingewiesen: die neuen Aktionskarten seien schlichtweg zu teuer. Von unserer Seite aus verweisen wir lieber auf den Wert des Dominiongeldes und konstatieren: die neuen Aktionskarten sind schlichtweg zu stark, als das man sie links liegen lassen sollte. Und was den meisten Kritikern wohl nicht klar zu sein scheint. Auch die Intrige oder Seaside entsprechen einem ähnlichen Preis-Karten-Verhältnis wie die Alchemisten. Also von daher können wir uns ganz auf den Spielinhalt konzentrieren, und der hat es gehörig in sich.
Eine neue Währung ist im Spiel: Der Trank (die magische Essenz der Alchemie schlechthin) kann für vier Geldeinheiten gekauft werden, um mit diesem dann neun der neuen Aktionskarten und eine Punktekarte kaufen zu können. Zum Teil wird man dafür auch noch die normale Münzwährung berappen müssen, aber ohne einen Trank auf der Hand, kann man sich die neuen Karten nicht leisten. Aufgrund der gestiegenen Voraussetzungen für den Kauf der Aktionskarten bieten diese dann aber einige Schmankerl, die Dominion königlich (im wahrsten Sinne des Wortes) erweitern.
Die Karte Besessenheit sei zunächst zu erwähnen, sprengt sie doch die bisherigen Möglichkeiten elementar. Mit ihr ist es möglich, den nächsten gegnerischen Zug mit dessen Karten auszuführen und alle genommenen und gekauften Karten bei sich abzulegen. Da das Ganze noch nicht einmal als Angriff definiert ist, gibt es gar keine Abwehrchance. Wer sich also schon mal auf den Kauf einer Provinz beim Anblick der eigenen Kartenhand freut, sollte das mögliche Extremärgern mit einplanen. Ganz stark auch der Golem, mit dem man zwei aufgedeckte Aktionsarten ohne Zusatzkosten direkt ausspielen kann. Glück und Geschick in herrlicher Kombination.
Doch nicht nur das Spielspektrum erweitert sich durch die neuen Karten, auch die Optik wird meines Erachtens hervorgehoben. Von allen bisherigen Dominionsets (wozu wir auch die eigentlich erst nach den Alchemisten veröffentlichte Blütezeit zählen) sind die Alchemisten mit Abstand das schönste. Liebevolle, extrem detaillierte und authentische Kartenmotive (man beachte vor allen Dingen den Lehrling, die Vision oder den Apotheker) unterstützen den Spielfluß auf ihre Art und Weise.
Einzig der Stein der Weisen ist eine etwas zu komplizierte Karte, da bei ihr jedes Mal die eigenen Stapel gezählt werden müssen, um deren Gesamtsumme durch Fünf zu teilen, um an den entsprechenden Geldwert zu kommen. Das kann gegen Ende acht, neun oder gar zehn Geldeinheiten bedeuten, was unseres Erachtens einerseits zu viel ist, zum anderen ist das ständige Zählen nicht gerade Spielfluß erhaltend. Abgesehen davon lohnt sich die Alchemie in diesem Spiel viel zu sehr, um sie nicht in das bereits bestehende Set zu integrieren. Alle andere neuen Karten sind absolute Knaller und weit weg von den simplen Basisanweisungen der ersten Editionen. Hier geht es, wie in der Alchemie selbst auch, fantastisch, elementar und zauberhaft zu. Eine edle und faszinierende Erweiterung, die jedem Dominionfan ans verzauberte Herz gelegt werden muss.
Marco Gerhards
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