Coup Royal
Die Krone des Verbrechens
Fette Beute
Wenn der Heidelberger Spieleverlag neue Raffinessen im Rahmen der Czech Games Edition herausbringt, kann man sicher sein, dass Kultautor Vlaada Chvatil nicht weit ist. Space Alert, Galaxy Trucker oder A Story of Civilization entstammten aus seiner Feder und wurden bei Liebhabern komplexer und ausgetüftelter Spielereien schnell zu Highlights. Chvatil ist der Topstar der osteuropäischen Spieleerfinder und auch sein neuestes Werk zeigt wieder seine ganze Klasse. Doch im Gegensatz zu den groß angelegten Komplexspielen der Vergangenheit, überzeugt er dieses Mal mit einem kurzweiligen Kartenspiel.
Natürlich ist Coup Royal, so der Name der lustigen Dieberei, kein wirklich simples Kartenspiel, sondern ein strategisch hochinteressantes und – so kennen wir Chvatil – aufwendig designtes und vielfältiges Vergnügen. Zwei bis fünf Spieler dürfen sich als Verbrecherbanden ausgeben, mit Gangsterboss an der Spitze und Spitzeln und Dieben in der Hinterhand. Letztere gilt es an verschiedenen Schauplätzen, die wiederum mit Beutekarten garniert sind, so zu platzieren, dass der Dieb möglichst unbewacht seinen Coup durchziehen kann, während der Spitzel genau das beim Gegner verhindert. Natürlich passiert das alles inkognito, die Spieler wählen je nach Spieleranzahl aus sechs bis acht Schauplätzen jeweils einen aus für ihre Aktionen. Dann wird aufgedeckt und ausgewertet.
Nun ist Beute aber nicht gleich Beute. Prestigewürfel, offene und geheime Beutekarten wandern je nach Spielkonstellation in den Räubersack, wer am Ende die meisten Stücke hat gewinnt. Halt, so einfach geht es bei diesem tschechischen Meisterautor nicht. Eine bestimmte Wertekategorie gibt eine spezielles Rechenverfahren vor, das nicht kompliziert, aber dennoch strategisch komplex ist, so dass man nicht nur Diebe und Spitzel, sondern auch die Anzahl der gegnerischen Beutekarten und Prestigewürfel im Auge haben sollte.
Tresorknacker, Intrigen (bei denen man andere Spieler sogar Beute klauen darf), Spezialgegenstände (wie Napoleons Cognacflasche) oder belastende Unterlagen sorgen als Spezialkarten für weitere Interaktion, zusätzliche Pluspunkte und erweitertes Spielvergnügen. Sämtliche Karten und die Würfel sind äußerst liebevoll und passend gezeichnet und koloriert, der Wiedererkennungswert ist hoch, und die Authentizität gewährleistet.
Trotz all dieser komplexen Melange spielt sich Coup Royal flüssig und einfach, zwanzig Minuten dauert ein durchschnittliches Match. Mit ein paar kleinen Regeländerungen kann man ebenso wunderbar zu zweit spielen, bis zu fünf können insgesamt dabei sein; der interaktive Spaß steigt, wie so oft, bei Mehreren natürlich an. Alles in allem ein interessantes und kurzweiliges Vergnügen, dass durch Bluff und Gegenbluff gekennzeichnet ist, aber bei dem auch Glück (die geheimen Beutekarten) und ganz viel Strategie mit im Spiel sind. Chvatil ist wieder einmal, und dieses Mal für zwischendurch, ein großer Wurf gelungen.
Marco Gerhards
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