Tabu
Gesellschaftsspiel
Neuauflage des großartigen Klassikers
Tabu nach zwanzig Jahren mit neuen Begriffen
Heute weiß man gar nicht mehr genau, was mit der folgenden Bezeichnung gemeint ist. Die Rede ist vom Tabu, dem Bruch der gesellschaftlichen Verhaltensregeln, dem Kannibalismus unter den Essgewohnheiten des Menschen und der Beschreibung anderer Wörter unter Zuhilfenahme der falschen. Auch das ist ein Tabu und als ebenso bekannte Bezeichnung in die Gruppe der erfolgreichsten Spiele aller Zeiten aufgenommen. Ursprünglich brachte der Weltumsegler James Cook das Tabu aus Polynesien mit nach Europa; auch dort hatte es schon seine noch heute geltende Bedeutung; Dinge, die nicht berührt werden durften, unheilige Objekte und Verhaltensweisen waren und sind Tabus.
Vor nun genau 20 Jahren verlegte Hasbro in den USA erstmals das Spiel „Tabu“, das als geflügeltes Wort mittlerweile ebenso geläufig ist wie die polynesische Urbezeichnung. Tabu war und ist nämlich einer der Klassiker des Genres schlechthin. Brian Hersch, der auch das recht bekannte und zackige Spielchen Outburst erfand, brachte 1990 die Spielegemeinde zum Kochen, speziell auf Partys oder groß angelegten Spieleabenden war das einfache, aber pfiffige Spiel mit den Wörtern der Renner. Mittlerweile geht man von 20 Millionen verkauften Exemplaren aus, in Musikerkreisen hätte es längst Gold- und Platinsammlungen gegeben.
Falls es jemandem gibt, der das Spiel noch nicht kennt: Begriffe müssen frei erklärt werden, fünf Tabuwörter dürfen dabei aber nicht benutzt werden. Ein Aufpasser mit lustiger Tröte ist wachsam, so dass der Erklärer nicht doch den Fehler macht (was zu eigenen Erstaunen immer wieder vorkommt, und dass, obwohl die Tabuwörter ja direkt vor der eigenen Nase stehen), sich zu versprechen. Seine Mitspieler hingegen müssen natürlich möglichst schnell das gesuchte Wort erraten. Vor allen Dingen in Teams und größeren Gruppen geht so richtig der Hut ab.
Natürlich hat solch ein erfolgreiches Spiel eine ganze Reihe von Sequels und Variationen auf den Markt gebracht, aber erst jetzt kommt das gleiche Spiel mit den bekannten Regeln, der Tröte und den Spielfiguren, aber endlich mit 1000 neuen Begriffen auf 250 Karten. Auf den ersten Blick verwundert die geringe Anzahl der Karten, die dem Spiel beiliegen. Dies ist darauf zurückzuführen, dass gleich vier zu erratende Begriffe auf einer Karte stehen anstelle der früher üblichen zwei. So kann das ganze Glück noch einmal von vorne beginnen, das Design ist natürlich ein bisschen aufgepeppt und kommt dem Zeitgeist entgegen. Diese neue Edition ward von den Fangemeinden heiß ersehnt; endlich kann mit Fantasie und Wortwitz wieder leidenschaftlich palavert, gemurmelt und gestockt werden. Ein lustigeres Äh, Öh und Örg gibt es seit zwei Jahrzehnten nicht.
Ein Spiel, das schneller erklärt wäre als Tabu, kenne ich nicht. Es kann direkt losgehen. Mindestens vier Spieler sind notwendig, je mehr umso lustiger; es kann – Indianerehrenwort und selbst ausprobiert – zum Kugeln auf dem Boden führen. Wer besonders erfolgreich will, suche mal beim nächsten Word-Dokument-Erstellen nach der Thesaurus-Funktion. Sie gibt Synonymwörter an, genau das braucht der Sprachkundige bei Tabu. Alle anderen bleiben bei Öhm, Häm und Arg und werden ausgehupt. Letztlich die wohl notwendigste Neuauflage seit es Partyspiele gibt. Tut Tut.
M Gerhards
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